Oder: Natur und Kultur – Der Esslinger Ebershaldenfriedhof – Ort der Vielfalt.So war jedenfalls der Titel der Führung über den Ebershaldenfriedhof, an der ich letzte Woche teilnahm. Die Führung wurde angeboten von der VHS und durchgeführt von Simone Paffrath.
„Ort des Lebens“ hört sich für einen Friedhof wie ein Oxymoron, also eine gegenläufige Metapher, an.
So ist es aber nicht gemeint, es ist ganz wörtlich gemeint.
Wie gut, dass Simone Paffrath Biologin ist. Es war ein bisschen, als kenne sie jeden Baum, also jeden der 900 auf dem Friedhof.
Es war wirklich bereichernd, die alten Eschen zu bewundern, die Ginkgo-Bäume zu sehen, die zugleich Zeugen der Urzeit und der Zukunft sind, weil sie recht klimaresistent sind.
Künftig kann ich mich an den Tulpenbäume, die zur Familie der Magnoliengewächse gehören erfreuen.
Und der Efeu ist kein Parasit, er ist ein Spätblüher, der Vögeln und Insekten Nahrung bietet, wenn andere schon Ladenschluss haben.
Und es war schön zu hören, wie aufmerksam sich die Mitarbeiter des Garten- und Friedhofsamt Esslingen um jeden einzelnen Baum kümmern.
Die Tiere (unter anderem 50 Vogelarten, von denen 25 auch auf dem Friedhof brüten) fühlen sich auf dem Friedhof so wohl, weil es nachts dunkel ist und der Friedhof das bietet, was gesundes Leben benötigt: Pause und Ruhe!
Natürlich haben wir uns die Gräber der Honoratioren angeschaut und deren Geschichte gehört (Merkel, Dick, u.a.), aber nicht nur. Unter anderem haben wir das Grab Volker Böhringers besucht, einem Esslinger Maler und Vertreter der „neuen Sachlichkeit“, der verarmt starb.
Das war ein inspirierender Besuch auf dem Ebershaldenfriedhof. Friedhöfe sind öffentliche Plätze unserer Kultur.
Öffentlich auch deswegen, weil jeder die Gräber besuchen kann.
Auch das gilt es zu bedenken beim Trend, alles anonym und privat haben zu wollen.
Und noch ein nachdenkenswertes Plädoyer für das Verwesen habe ich gehört. Es ist nicht unhygienisch zu verwesen und Biomasse für neues Leben zu sein. Es ist natürlich, natürlich.
Vielen Dank Frau Paffrath!

